Wie ich meinen Chef rettete
Wie ich meinen Chef rettete
„Kommen Sie bitte mit, Herr Herrmann.“ Ich zögerte. Mein Chef sah auf die Uhr. „Bin ich bei diesem Termin mit Ihrem Vorgesetzten irgendwie involviert?“, fragte ich.
Draußen fiel unaufhörlich Schnee. Die Welt wirkte wie ausgeblendet, weiß, gedämpft. „Es reicht, wenn Sie einfach dabeisitzen, sonst fetzen wir uns nur“, fügte er hinzu.
So ließ ich meine Arbeit liegen und folgte ihm.
In diesem Moment fiel mir ein Computerspiel ein, das mich 1987 in seinen Bann gezogen hatte: „Maniac Mansion“. Schon auf dem Weg zur Schule dachte ich an Edna, das grüne Tentakel, die langen schmalen Gänge, verschiedene Türen, Lampen mit spärlichem Licht.
Sandy musste aus einer mysteriösen Villa befreit werden – die Wege, um das zu erreichen waren aber unterschiedlich. Am Beginn wählte man zwei von sechs Figuren. Jede Wahl veränderte die Handlung, aber nicht das Ziel.
In den Pausen tauschte ich mit Klassenkameraden Strategien, Ideen und Pläne aus: „Was tun, wenn…?“
Jeder Lösungsweg war einzigartig. Mit jedem Team konnte man grundsätzlich gewinnen.
Heute denke ich daran, wenn ich als Vertrauensperson für schwerbehinderte Menschen Auswahlgespräche begleite. Die Bewerberinnen und Bewerber bringen völlig unterschiedliche Voraussetzungen mit: Stärken, Einschränkungen, Perspektiven.
Auch hier gilt dasselbe Prinzip wie damals in der Villa:
– Nicht jede Aufgabe passt zu jeder Figur
– Aber jede Figur ist wichtig
Unternehmen und Behörden sind nicht trotz, sondern wegen dieser Unterschiede besonders stark: Anpassungsfähiger in Veränderungsprozessen, resilienter in Krisenzeiten, besser im Finden von kreativen Lösungen.
Mein Fazit aus „Maniac Mansion“ – und aus den Gesprächen meines Chefs mit seinem Vorgesetzten:
Mit jedem Team kann man es schaffen.