04 Arbeitswelt & Führen

Wetten,…dass?

Alternativbild Inklusion ist meine Geschichte: Wetten, ...dass?

Wetten,…dass?

Thomas Gottschalk stand da, lässig wie immer, das Mikro in der Hand: „Sind Sie sich sicher, dass Sie das schaffen?“ Die Halle war elektrisiert, bevor die Wette überhaupt begann.

Ein Mann kündigte an, er könne mit verbundenen Augen die Automodelle am Geräusch der zuschlagenden Türen erkennen. Eine andere Kandidatin wollte alle Bundeskanzler seit Adenauer allein am Klang ihrer Stimmen aus alten Radioaufnahmen erkennen.

Momente zwischen Staunen und Zweifel.
Zwischen „Unmöglich“ und „Vielleicht doch“.

In den letzten Wochen blickten viele auf diesen Mann, der ein Leben lang performt hat. Ein Aussetzer hier, ein Blackout beim Bambi, eine schräge Bemerkung dort – und schon begann das Raunen. Der bekannte Reflex: ein schnelles Urteil, bevor wir die ganze Geschichte kennen. In der Logik der Samstagabend-Unterhaltung wäre es eine leichte Wette gewesen:

„Wetten, dass der dement ist?“

Und nun erfahren wir, was hinter der Fassade lag:
Krebs, Operationen, Bestrahlungen.
Opiate, um den Tag auszuhalten.
Nächte, in denen seine Frau an seinem Bett wachte, und Tage, an denen er versuchte, noch einmal der zu sein, den das Publikum erwartete.

Und der Körper, der sagte: Es reicht.

Ich stelle mir vor, wie er backstage stand, dieser Mann, der jahrzehntelang souverän die spektakulärsten Wetten moderierte, und sich plötzlich bei der eigenen nicht sicher ist:

„Schaffe ich das? Oder schaffe ich es nicht?“

Im Grunde ist das gar nicht so weit weg von dem, was wir im Arbeitsalltag erleben. Menschen, die unsicher auftreten, Pausen brauchen, Grenzen spüren – und die trotzdem mit aller Kraft versuchen, ihre Rolle zu erfüllen.

Unsichtbare Kämpfe sind tückisch.

Sie laufen im Off, während wir auf die Bühne schauen und meinen, das Stück zu verstehen.

Inklusion besteht aus vielen Gesetzen, Paragraphen, Programmen.
Aber vielleicht beginnt sie viel simpler: Mit dem Gedanken „Wetten, dass ich nicht weiß, was dieser Mensch gerade trägt?“

Und dem Innehalten vor dem Urteilen.

Ich wünsche Thomas Gottschalk, dass er die Wette auf sein Leben gewinnt.

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