Und jetzt?
Und jetzt?
Wenn Leute mit allerlei Forderungen zu ihm kamen, ließ mein Chef sie ausreden und sagte nichts.
Er rührte den Löffel in seiner kleinen Espressotasse.
Einmal. Zweimal. Immer wieder.
Die Leute redeten weiter.
Schließlich Stille.
Mein Chef sah sie an.
„Und jetzt?“, fragte er.
Wieder wurde es still.
In meinem Kopf schrien die Gegenargumente. Ich spürte den fast unerträglichen Drang, dazwischenzugehen, die Forderungen der anderen sofort zu relativieren.
Doch das Schweigen meines Chefs hielt mich zurück.
Ich glaube, er wollte, dass die anderen selbst hörten, was sie da gerade forderten.
Dann nahm er seine kleine Tasse und trank den Espresso mit einem Schluck aus. Wie einen Schnaps auf Ex.
Ich denke oft an diese Szene.
Nach meinem Schlaganfall wollte ich alles vom Leben zurück, von dem ich geglaubt hatte, dass es mir als jungem Mann zustand. Meinen Körper. Meine Unabhängigkeit. Meine Freundin. Meinen Job. Mein altes Leben. Alles.
Ich wollte es zurück.
Aber daraus wurde nichts.
Vielleicht brauchen wir mehr „Und jetzt?“-Phasen, wenn wir wissen, dass es nicht mehr weitergeht wie bisher, aber noch keine Ahnung haben, wie es weitergehen soll.
Es gibt keine schnellen Antworten.
Manchmal muss man eine Weile mit der Ratlosigkeit zusammensitzen.
Vielleicht müssen die eigenen Forderungen erst einmal im Raum stehen bleiben, bis man selbst hört, was man da eigentlich verlangt.
Am Ende des Gesprächs wurde die Espressotasse abgeräumt. Zusammen mit den kühnsten Illusionen.
Und es fühlte sich gut an.
Plötzlich war da dieser saubere, leere Tisch vor uns.
Ein neutraler Boden.
Auf einmal war Raum für das, was jetzt und hier möglich war.