Der unsichtbare Kampf im Büro
Der unsichtbare Kampf im Büro
„Du hast es gut“, sagte eine Bekannte kürzlich zu mir. „Deine Behinderung kann man wenigstens sehen.“
Ich schluckte.
Mein verflixtes linkes Bein, das ich beim Gehen nachziehe und das manchmal unkontrolliert zittert, erschien mir plötzlich wie eine Trophäe.
Meine Bekannte hat blonde Locken, eine Mitgliedschaft im Fitness-Studio, einen fordernden Job bei einem Medienunternehmen – und neuerdings Krebs.
Nicht jede Krankheit ist für andere sofort sichtbar. Es gibt viele Einschränkungen, die wir auf den ersten Blick nicht erkennen können.
Das erinnert mich an einen Kollegen.
Jeden Donnerstag zog er sich die Jacke enger um die Schultern, als er durch den Flur ging. Es war sein Behandlungstag. Er musste sich jedes Mal überwinden, das Büro zu verlassen, während die anderen weiterarbeiteten. Montags war er zurück am Schreibtisch, müde, aber mit aufrechter Haltung. Auf ihm lastete der immense Druck, so leistungsfähig wie üblich zu erscheinen – sowie das Getuschel der anderen.
Was in der Kaffeeküche keiner wusste:
Sein „verlängertes Wochenende“ war in Wahrheit eine knallharte Krebstherapie.
Das Beispiel dieses Kollegen zeigt, wie wichtig es ist, Menschen nicht vorschnell zu verurteilen. Viele tragen einen Kampf aus, von dem wir nichts wissen.
Der Weltkrebstag am 4. Februar soll dazu motivieren, sich aktiv zu informieren, auf sich selbst zu achten und andere zu unterstützen.
→ 500.000 Menschen erkranken allein in Deutschland jedes Jahr an Krebs
→ 175.000 davon sind zum Diagnose-Zeitpunkt im erwerbsfähigen Alter
→ 110.000 kehren nach ihrer Therapie in den Beruf zurück
Als Vertrauensperson für die Belange behinderter Menschen bin ich immer wieder überrascht, dass viele nicht wissen, dass sie aufgrund ihrer Krebserkrankung einen Schwerbehindertenausweis beantragen können. Schutz vor Kündigung oder beispielsweise zusätzliche Urlaubstage schaffen – zumindest teilweise – einen Ausgleich für entstehende Nachteile und Belastungen.
Aber nicht nur das Amtliche zählt:
Eine offene Kommunikation ist essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden und so den nötigen Rückhalt im Arbeitsumfeld zu bekommen.
Betroffene mit einer Krebsdiagnose sollten sich nicht gezwungen fühlen, für ihre Ausfallzeiten ständig um Entschuldigung zu bitten oder sich vor anderen rechtfertigen zu müssen. Sondern sich voll auf das konzentrieren können, was wirklich zählt:
den Kampf ihres Lebens.💙
Mit aller Kraft.