03 Worte & Kommunizieren

Meine Antwort auf den blöden Spruch

Alternativbild Inklusion ist meine Geschichte: Meine Antwort auf den blöden Spruch

Meine Antwort auf den blöden Spruch

Letzte Woche im Supermarkt. Ich soll nichts mitbringen, was nicht auf dem Zettel steht. Und doch nehme ich etwas Zusätzliches mit nach Hause:

Einen blöden Spruch.

Ich packe meine Einkäufe aufs Kassenband: Tomatensaucengläser, Milch, Joghurts – alles mit rechts. Meine linke Hand ist seit einem Schlaganfall schwach, teils gelähmt. Man sieht meine Gehbehinderung, die Einschränkung der Hand aber nicht sofort.

Der Kassierer, sichtlich genervt von meinem Tempo, sagt:

„Nimm doch beide Hände!“

Ich schweige in diesem Moment. Verharre in der Contenance, die mir meine Sozialisation auferlegt hat. Doch meine Gedanken kreisen und mein Puls steigt.

Mir fällt keine schlagfertige Antwort ein.
Kein spontaner Konter.

Wie muss sich jemand fühlen, dessen Behinderung komplett unsichtbar ist?
Muss man sich ständig erklären?
Wie viele solcher Sprüche sammelt man täglich ein?

Eine Woche später bei der Physiotherapie:

Ich höre dieselben Worte von meinem Therapeuten, als ich eine Übung mache:

„Nimm doch beide Hände!“

Jetzt weiß ich endlich, was ich dem Kassierer hätte lächelnd entgegnen können:

„Sie klingen wie mein Physiotherapeut.“

Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember ist ein guter Anlass, über solche Alltagsmomente im privaten und beruflichen Umfeld nachzudenken. Über sichtbare und unsichtbare Einschränkungen.

Wenn ich mal in der Gegend bin, gehe ich zu REWE in Dortmund. Hier hat man eine eigene Inklusionsabteilung gegründet und mehrere Mitarbeitende aus einem Inklusionsunternehmen übernommen, das schließen musste.

Vielleicht sage ich dem Kassierer dort dann mit einem Blick auf die Uhr „Nimm doch beide Hände!“, während er meine Einkäufe scannt.

Und blinzle ihm dann verschwörerisch zu.

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