Inklusion ist wie ein Pilzgericht
Inklusion ist wie ein Pilzgericht
Mir wurde übel. Mein Magen zog sich zusammen. Zwei Stimmen neben mir, ein paar Worte – und ich sank in mich zusammen.
Manche Pilze sind köstlich – andere sehen genauso aus und sind giftig. So ist es auch mit der Kommunikation gegenüber Menschen mit Behinderung.
Ein Satz kann harmlos klingen – und trotzdem verletzen.
Ein Blick kann mitfühlend sein – und töten.
Ein Kompliment kann nett gemeint sein – und uns innerlich killen.
Ein giftiger Pilz wuchs damals im Park meiner Rehaklinik.
Die Pflegekräfte schoben mich ins Freie. Ich war kaum 30 und wochenlang hatte ich wegen meines Luftröhrenschnitts nicht sprechen können. Unter einem Baum rief ich einen alten Freund an.
„Der kann ja sprechen!“
Zwei Angehörige eines anderen Patienten blieben stehen.
Ihre Augen wurden groß, als hätten sie gerade ein Wunder gesehen.
„Ich dachte, der wird nicht mehr!“
„Das gibt´s nicht – der redet ja!“
Ich saß da, mit dem Handy am Ohr, halb im Leben – und war plötzlich Fallstudie statt Mensch. Ein sprechendes Phänomen.
Ich hätte etwas erwidern können.
Aber ich wollte einfach nur telefonieren.
Manchmal denke ich noch an diesen Pilz im Park.
Seine Wirkung: ein Stich ins Herz.
Wir müssen aufpassen.
Wie wir reden, macht den Unterschied. Miteinander – nicht übereinander.
Denn zwischen „Wie schön, dass Sie wieder sprechen können!“ und „Huch, der kann ja sprechen!““ liegt der Unterschied zwischen einem guten Essen und einem Fliegenpilz.
Unsere Worte sind das, was wir servieren, wenn wir anderen begegnen.