Ein Satz wie ein Pflasterstein
Ein Satz wie ein Pflasterstein
„Olaf, das ist kein Beinbruch.“
Wie oft habe ich diesen Satz als Kind gehört.
Wenn ich mir das Knie aufgeschlagen oder mir beim Spielen eine Beule geholt hatte, waren diese Worte meiner Eltern wie ein Pflaster für die Seele. Ein kurzer Trost, ein Lächeln – weiter ging’s.
Viele Jahre später, nach meinem Hirnstamminfarkt, wachte ich wieder aus dem künstlichen Koma auf. Mein Körper fühlte sich fremd an, nichts war mehr wie vorher. Und doch klangen sie wieder in meinen Ohren – dieselben Worte.
Diesmal vom Arzt:
„Herr Herrmann, das ist jetzt kein Beinbruch.“
Dieselben Worte – in einem völlig anderen Kontext – trafen mich mit voller Wucht.
In diesem einen Satz lagen plötzlich die ganze Leichtigkeit und die ganze Schwere des Lebens.
Verbunden mit aufgeschürften Knien in der Kindheit und dem Erlebnis eines existenziellen Einschnitts als Erwachsener.
Bestimmte Worte begleiten uns für immer. Auch, wenn sie unterwegs ihre Bedeutung verändern.