Die magische Telefonzelle
Die magische Telefonzelle
Es war zu meiner Zeit bei der Bundeswehr. Vor der Kaserne gab es genau eine Telefonzelle. Die lief besser als die Würstchenbude nebenan.
Abends bildete sich dort immer eine Schlange. Alle wollten nach Hause telefonieren. Wenn man endlich dran war, sprach man schnell. Jede Minute zählte – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich ging lieber zu einer anderen Telefonzelle, einen Kilometer entfernt am Waldrand. Mit frischer Luft und ohne Warten.
Ich warf 20 Pfennige ein und rief meine Mutter an. Wir redeten und redeten. Es klickte nicht. Keine Aufforderung zum Nachwerfen. Nach einer Stunde rasselten die Münzen durch. Ich steckte sie wieder in die Tasche.
Drei Wochen lang ging das so.
Bis irgendwann auch andere von der „magischen Telefonzelle“ erfuhren. Dann bildete sich auch dort eine Schlange.
Heute stehen wir woanders an: Für neue iPhones. Für limitierte Sneaker. Für Konzerttickets. Aber nicht mehr für ein Telefongespräch.
Was das mit Inklusion zu tun hat?
Echter Dialog ist selten geworden – obwohl er uns fast nichts mehr kostet. Wir haben Flatrates aber es fehlen oft Zeit, Interesse, offene Ohren.
Wie oft reden wir übereinander statt miteinander?
Vielleicht braucht es wieder mehr Orte wie damals am Waldrand. Denn der wahre Wert ist es, wirklich gehört zu werden. Ohne Zählwerk und Zeitbegrenzung.
Die magische Telefonzelle gibt’s längst nicht mehr. Aber solche Momente wären noch möglich. In jedem Unternehmen, in jedem Team.
Mit Menschen, die…
Hallo?
… nicht gleich wieder auflegen, wollte ich eigentlich noch sagen. 📞