Darf ich das wirklich senden?
Darf ich das wirklich senden?
Ich hatte einen Text geschrieben, jede Formulierung abgewogen, jedes Komma geprüft. Und doch nagte die Unsicherheit an mir. Sollte ich ihn nur intern ins Referat, oder an den kleinen, vielleicht gar großen Verteiler senden?
Ein falsches Wort vermag öffentliche Debatten zu entfachen, ein unbedachter Satz kann Aktienkurse zum Absturz bringen.
Dann sah ich seinen Blick.
Ein kurzes Nicken.
Und hörte wieder diesen Satz:
„Herr Herrmann, an alle.“
So lautete die Antwort meines ehemaligen Chefs im Bundespresseamt.
Das war mehr als eine Freigabe.
Es war Vertrauen.
Es war Ermutigung.
Es war eine Einladung, rauszugehen.
Noch immer arbeite ich als Referent für die Regierung.
In meiner Freizeit erzähle ich meine eigene Geschichte: Die vom Mount Everest, dem Gebet im Tunnel, der Kanalratte und viele mehr.
Früher fragte ich mich: „Was, wenn du sichtbar wirst und etwas falsch machst?“
Lange hat mich dieser Gedanke zurückgehalten.
Heute drücke ich einfach auf „Senden“ und verschicke meinen Text. Und jedes Mal höre ich eine Stimme in mir sagen:
„Herr Herrmann, an alle.“