Wir können Licht in jedes Zimmer bringen
Wir können Licht in jedes Zimmer bringen
Die Pflegerin öffnete die Zimmertüre mit einem Ruck.
„Darf ich?“, fragte sie, ohne eine Antwort abzuwarten. „Die anderen wollen es auch gerne hören.“
Sofort entwich die stickige Luft aus dem kleinen Raum.
Ich war zehn Jahre alt und hatte mein Akkordeon umgeschnallt. Mit dem großen Instrument saß ich auf dem einzigen Stuhl im Zimmer. Wie bei jedem Weihnachtsbesuch spielte ich den Musette-Walzer. Mein Opa lag vor mir im Bett. Mit jedem Ton erhellte sich seine Mimik mehr.
Die Musik erinnerte ihn an alte, bessere Zeiten.
Auch die anderen Zimmertüren auf dem Gang im Seniorenwohnheim standen jetzt offen.
Pierre Monichon schrieb in seinem Werk „L´Accordéon“:
„In der Welt des Akkordeons ruft das „Musette“ unvermeidlich die Idee des Tanzes auf und veranlasst die Vorstellung zu den volkstümlichen Tanzlokalen (guinguettes), den Ballsälen wo Paare zu den Klängen eines kleinen Orchesters tanzen. In der heutigen Zeit erinnert dieser Ausdruck auch an ein Stück der Belle Epoque, ihrer Sorglosigkeit, ihres Ausdrucks von Freiheit…“
Ist es nicht genau dieses Gefühl, das wir in Europa gerade vermissen?
Unsere Freiheit ist so kostbar und gleichzeitig so zerbrechlich.
Wir blicken oft sehnsuchtsvoll zurück, anstatt voller Hoffnung nach vorne.
Gemeinsame Ballsaal-Momente geben Kraft für das, was kommt.
Wir alle können etwas Ballsaal-Licht in die Herzen der Menschen bringen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
An den Weihnachtstagen leuchtet es um so heller.