02 Gesellschaft & Haltung

Was bedeuten Inklusion und Teilhabe wirklich?

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Was bedeuten Inklusion und Teilhabe wirklich?

„Warum soll ich tanzen, wenn ich noch nicht mal laufen kann?“ Ich hoffe inständig, dass mich keiner sieht. Aber Flucht ist zwecklos:

Der Physiotherapeut klettet meinen noch gelähmten Körper mit Bändern an seinen und wir bewegen uns zur Tangomusik durch den Raum. Später wird er seine Häkchen machen hinter „Förderung der grob- und feinmotorischen Bewegungen“ ✓ sowie „der Ausdauer, Kraft und Belastbarkeit“✓.

So sieht mein tägliches Pflichtprogramm aus, denn Tanzen wird in meiner Reha als Rehabilitationsmaßnahme nach einem Schlaganfall eingesetzt.

Und tatsächlich:

Der Tango führt mich zurück ins Leben.

“Diversity is being invited to the party. Inclusion is being invited to dance”.

Dieses Zitat stammt von der US-amerikanischen DEI-Expertin Verna Myers.

Zu Deutsch: „Vielfalt heißt, zur Party eingeladen zu werden. Inklusion bedeutet, auch zum Tanzen aufgefordert zu werden.“

💡 Vernā Myers drückt damit aus, dass Inklusion erst dann erreicht ist, wenn alle nicht nur angemessen vertreten sind, sondern auch bewusst integriert werden.

In der Gesellschaft.

Am Arbeitsplatz.

Überall.

Wenn wir hier allein von Menschen mit einer sichtbaren oder unsichtbaren Behinderung sprechen, betrifft dies schon eine riesige Gruppe in Deutschland:

Rund 7,9 Millionen Menschen sind schwerbehindert, das ist nahezu jeder Zehnte.

Aus meiner persönlichen Erfahrung als Schwerbehinderter heraus möchte ich das wunderbar bildliche Zitat von Verna Myers gerne noch einen Schritt weiterdenken: Inklusion bedeutet nicht nur, zum Tanzen aufgefordert zu werden.

Sondern:

💃🕺 Wir sollten ohne großes Überlegen selbst zum Tanz auffordern können.

Und damit meine ich kein vorsichtiges „Darf ich bitten?“

Sondern eher ein mutiges „Lass uns tanzen!“

Echte Inklusion und Teilhabe entstehen nicht, wenn Menschen irgendwo „dazugeholt“ werden, sondern erst dann, wenn sie bereits von vornherein gleichberechtigt und selbstbestimmt dabei sind.

In einem Umfeld und in einer Atmosphäre, wo alle willkommen sind.

Ich bin dankbar dafür, dass auch so viele Menschen ohne Behinderung bereits wahrnehmen, dass dies der Weg ist, der uns als Gesellschaft wirklich voranbringt.

Zusammen können wir mehr bewegen. Schritt für Schritt.

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