Mein Umweg nach Hause
Mein Umweg nach Hause
Millionen von Menschen sind an Weihnachten unterwegs, alle gleichzeitig, aus allen Richtungen. Mit Stau auf den Autobahnen, Umleitungen, verpassten Anschlüssen und verspäteten Zügen.
Und doch verbindet sie etwas. Aus den Autoradios, aus Kopfhörern und dem inneren Ohr verschiedener Generationen klingt zuverlässig derselbe Song:
„Driving Home for Christmas“.
Ein Lied, das weniger vom Vorankommen erzählt als vom Warten und Ausharren. Von der Gewissheit, dass der Weg mehr Zeit braucht als sonst.
Nach Hause kommen… Das klingt nach Kerzenlicht, Gänsebraten, Umarmungen im Türrahmen und vertrauten Stimmen aus der Küche.
Und doch ist „nach Hause kommen“ mehr als eine Adresse.
Spätestens dann, wenn der Weg dorthin komplizierter wird.
Ich habe das früh gelernt.
Nicht auf der Autobahn, sondern als Patient in einer Rehaklinik.
Dort gab es viele Menschen, Lebensläufe, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. Was sie einte, war bemerkenswert unspektakulär. Niemand sprach von Fernreisen oder großen Zielen. Niemand von Selbstverwirklichung oder neuen Horizonten.
Alle wollten dasselbe: nach Hause.
Selbstbestimmung war kein abstraktes Ideal, sondern ein täglicher Kraftakt.
Für viele ein ferner Gipfel, für manche unerreichbar. Für mich ein Ziel, das ich – damals vollständig auf Pflege angewiesen – mit Hilfe erreichen durfte.
Heute, Jahrzehnte später, höre ich „Driving Home for Christmas“ anders. Ich denke weniger an Stau und Blechlawinen und mehr an Wege, die man nicht auf der Karte findet.
Zuhause ist dort, wo Menschen sind, die bei uns sind.
Die uns aushalten.
Die ein Stück mitgehen, wenn der Weg steil wird.
Vielleicht ist das die leise Botschaft dieses Liedes – und dieses Festes. Dass Ankommen Zeit braucht. Dass Umwege dazugehören. Und dass so viele andere auf dem gleichen Weg sind.
Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest, wo und mit wem auch immer. Und ein neues Jahr, in dem es viele Menschen gibt, die von sich sagen können:
“It’s gonna take some time – but I’ll get there.”