Mein First Dog
Mein First Dog
Ich hatte einen guten Freund.
Er zog ein Bein nach, genau wie ich.
So war er mir gleich sympathisch. Dieser alte rumänische Straßenhund kam mit nichts als seinem Namen und seinem Handicap.
Wir humpelten gemeinsam durch die Straßen der großen Stadt. Oft blieben die Menschen stehen und fragten: „Was hat denn der Arme?“ Ich war mir oft nicht sicher, wen von uns beiden sie meinten.
Einmal nahmen meine Frau und ich den Hund mit zu einem Brunch in ein feines Hotel, da er nicht allein zuhause bleiben wollte. In den Frühstücksraum durften wir mit ihm nicht. Dafür saßen wir bequem in der Lobby. Unser Hund streckte die Pfoten auf dem weichen Teppich aus. Sein Wasser kam vor unserem Capuccino. Man servierte ihm einen Haufen Leckerli in einem riesigen silbernen Napf.
Auf dem Heimweg verschlang er auf einer U-Bahn Treppe ein weggeworfenes Käsebrötchen.
„Als Hund ist mein Hund eine Katastrophe, aber als Mensch ist er unersetzlich.“
Diese Aussage machte der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau einst über seinen „First Dog“, der ihn oft ins Schloss Bellevue begleitete.
Ich kann diese Worte 1:1 unterschreiben.
Unersetzlich sind die Stunden mit unserem Hund, in denen er uns mit großen Augen zuhörte, auch wenn er keine Antworten auf unsere Sorgen und Gedanken geben konnte. Entscheidend war seine Anwesenheit.
Manchmal zerbreche ich mir den Kopf darüber, was ich am besten sage, wenn Menschen in meinem beruflichen Umfeld auf mich als Vertrauensperson der Schwerbehinderten zukommen. Aber im Grunde weiß ich:
Das Wichtigste ist es, zunächst aufmerksam zuzuhören.
Dafür braucht es kein Amt – und auch keinen großen Act.
Wir alle haben etwas, was wir einander geben können: Aufmerksamkeit. Ein kurzes Gespräch auf dem Büroflur, eine nette Nachfrage, ein offenes Ohr für ein paar Minuten – und schon sieht die Welt plötzlich ganz anders aus.