Manchmal gibt es Wichtigeres als WLAN
Manchmal gibt es Wichtigeres als WLAN
„Mein Koffer ist gepackt“, schrieb mir eine Bekannte. „Morgen fahre ich ins Waldschlösschen. Ich reise zu Donnerstag bis 12 Uhr an.“ „Du Glückliche!“, schrieb ich nur kurz zurück.
Mein nächster Urlaub war erst für Juli geplant – und in Berlin regnete es schon wieder.
Ich sah die Beschreibung ihres Domizils vor meinen Augen:
„Die malerischen Wälder bieten eine wunderbare Kulisse für Ihren Urlaub. Genießen Sie unseren Rundum-Service, entspannen Sie in unserer hauseigenen Beautyfarm oder im Indoorpool unserer Wellnesslandschaft. Lassen Sie den Tag bei Kaminabenden an unserer Bar ausklingen.“
Da fiel es mir plötzlich wieder ein: Meine Bekannte wartete schon einiger Zeit auf einen Platz für ihre stationäre Traumatherapie. Eigentlich hatte sie mir erzählt, dass sie erst im August aufgenommen werden sollte. Sie musste kurzfristig vorgerückt sein.
Was zuerst wie ein Erholungsurlaub klang, war in Wahrheit eine Reise in ihre tiefste Verletzlichkeit.
Eine Woche später schrieb mir meine Bekannte diese Nachricht:
„Die sind allesamt hier wirklich sehr nett und kompetent, unprätentiös und nahbar. So eine Augenhöhe wünsche ich mir für unser gesamtes Gesundheitswesen.“
Ich war erleichtert. Denn ich wusste sie nun an einem geschützten Ort, an dem sie wirklich gesehen wurde.
Sie beschrieb eine Wärme wie die eines Kaminabends an einer Hotelbar.
Sollten wir nicht öfter bewusst am Wärmeregler drehen – im Gesundheitswesen, im Alltag, in unseren Unternehmen? Räume schaffen, die nicht nur funktionieren, sondern tragen? In denen sich jeder Mensch gleich wertvoll fühlt – ganz unabhängig von seinem Lebenslauf oder seiner Leistungsfähigkeit?
Vielleicht ist das Hochdrehen des Wärmereglers manchmal nur ein verständnisvoller Blick. Oder ein: „Ich verstehe und unterstütze dich.“
Im Zimmer meiner Bekannten liegt ein Infoblatt auf dem Tisch. Darauf steht ganz unten:
„Sie können sich gegen eine Gebühr in das hauseigene WLAN einwählen.“
Ich hoffe, sie nutzt diese Möglichkeit nicht allzu oft.
An diesem Ort, an dem spürbar wird, wie heilend echte Verbindung sein kann.