Ich kehre nicht als Held zurück
Ich kehre nicht als Held zurück
„Geschüttelt, nicht gerührt.“
Keiner fragt mich, wie ich meinen Martini trinke, denn von meinem „Abenteuer“ kehre ich nicht als Held zurück wie James Bond – sondern als junger Mann mit einer Schwerbehinderung. Und das, ohne vorher in einer drehbuchreifen Action millionenteures Material zertrümmert zu haben.
Willkommen im Film, der Leben heißt.
Für mich steht kein Wodka bereit, sondern eine einfache Flasche Schnaps. Meine damaligen WG-Mitbewohner haben sie ins Eisfach gelegt. Für den Tag, an dem ich aus der Rehaklinik zurückkehre.
Der Schnaps wartet und wartet. Es vergehen Monate.
Dann endlich: Der Tag.
Mein Gehstock lehnt an der Küchentür und mein linkes Bein zittert.
Kalt dampft es aus dem kleinen Fach heraus. Die Flasche Schnaps ist kaum zu sehen und hinter dicken, weißen Schichten von Eis verborgen. Wir müssen uns erst vorarbeiten.
Die Eisbrocken in der Spüle zerrinnen genau wie meine Hoffnung, dass alles wieder so wird wie vorher.
Schließlich ist die Flasche freigekratzt und wir feiern gemeinsam. Der Mieter von obendrüber hat seine Musik bis zum Anschlag an und sie reicht für uns mit. Der erste kleine Schluck – für mich wie ein Neuanfang:
Mein Name ist Herrmann.
Olaf Herrmann.
Und ich werde es schaffen.
Wenn mich die Vergangenheit eines gelehrt haben, dann das:
Eine Krise ist immer auch eine Chance.
Auch, wenn man diese nicht sofort sieht. Manchmal ist sie verborgen wie eine Flasche im ewigen Eis.