Die goldene Regel aus der Reha
Die goldene Regel aus der Reha
Man darf sich nicht hängen lassen.
Das habe ich in der Rehaklinik erlebt.
Wer sich hängen lässt, ist verloren.
Rund 7,9 Millionen Menschen in Deutschland sind schwerbehindert – das ist fast jeder Zehnte.
Vielleicht erklärt das, warum viele weghören, wenn es um Krankheit oder Behinderung geht.
Vielleicht ist es Überforderung.
Vielleicht fehlt einfach die Kraft, sich neben den eigenen Sorgen noch anderen zuzuwenden.
Nach meinem Schlaganfall mit 29 Jahren gab mir ein Mann in der Reha eine goldene Regel mit auf den Weg:
„Olaf, werde kein Leidensbotschafter!“
Er fuhr mit seinem Rollstuhl den Flur entlang, ich machte meine ersten wackeligen Gehversuche mit meinem unbeweglichen Bein – und stürzte.
Der Mann schaute auf mich hinunter, ohne eine Miene zu verziehen
„Nerve niemanden mit deiner Krankengeschichte“, sagte er.
„Die Leute haben erst Mitleid. Und wenden sich dann ab.“
Ich nickte und sammelte meine Krücken ein.
Vielleicht hatte der Rollstuhlfahrer recht.
In meinen dunkelsten Stunden habe ich beschlossen, mich nicht als Opfer zu fühlen. Der Weg dahin war die radikale Akzeptanz der Wirklichkeit. In dem Moment, wo wir illusionsfrei erkennen, was ist, verlieren die Dinge ihre lähmende Macht.
Was ich heute mache, wenn mich jemand nach meiner Behinderung fragt?
Ich erzähle meine Geschichten:
Vom roten WG-Kochtopf.
Vom Gebet des Fremden in der U-Bahn in Washington.
Von der Kanalratte in meinem Pflegebett.
Oder von der Hoffnung im ewigen Eis.
Der Weg zurück ins Leben beginnt dort,
wo wir unsere Geschichte erzählen – nur anders.