Abseits vom Lackschuh-Weg
Abseits vom Lackschuh-Weg
Ich wäre gerne lauter. So wie die Menschen mit den Lackschuhen, die in den Talkshows sitzen, auf Konferenzen sprechen und in den Chefetagen den Ton angeben.
Ihre glänzenden, schwarzen Schuhe erinnern mich an das Lied „Barfuß oder Lackschuh“ von Harald Juhnke:
„Barfuß oder Lackschuh, alles oder nichts? …“
Ich kenne es auswendig.
Es handelt vom Leben in all seinen Facetten.
→ „Barfuß“ steht für Verletzlichkeit, Stolpern, vielleicht auch für den Absturz.
→ „Lackschuh“ steht für Etikette, Erfolg und das perfekte Bild nach außen.
Juhnkes Lied hat stark autobiographische Züge. Aber ich fühle mich trotzdem davon angesprochen.
Mit 29 Jahren war ich zuletzt auf dem „Lackschuh-Weg“ unterwegs.
Seit meinem Schlaganfall humple ich jenseits der üblichen Trampelpfade. Barfuß. Das macht den Weg viel beschwerlicher und langsamer – aber ich gehe ihn entschlossener denn je.
In gut gepflegten Lackschuhen kann man sich spiegeln – aber genau darin liegt auch die Gefahr: Wer nur sich selbst sieht, übersieht die andern. Diese Form der Eitelkeit ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Stillstand.
Ich bin überzeugt:
Jede Gesellschaft, jedes Unternehmen, jede Organisation, die sich wirklich weiterentwickeln will, braucht mehr als Selbstbestätigung. Sie braucht Auseinandersetzung. Sie braucht andere Blickwinkel. Vor allem aber braucht sie die Perspektiven von Menschen „außerhalb der Norm“ .
Nicht als dekoratives „Inklusionsprojekt“. Sondern wegen ihrer Fähigkeit, Wege komplett neu zu denken.
Manchmal können Lackschuhe auch einengen.