Zweite Wahl oder zweites Date?
Zweite Wahl oder zweites Date?
Ich komme zu spät zu unserem ersten Date. Das ist schlecht. Weil sie meine Behinderung jetzt schon gesehen hat. Das Nachziehen des linken Beins, dieses Stocken meines Gangs, das sofort auffällt.
Am Telefon hatte ich es vorher fast erwähnt. Aber nur fast.
Sie sitzt am Fenster vor einer Limo. Der Berliner Burgerladen ist voll, jeder Tisch belegt, manche Gäste tippen auf ihren Laptops, andere nicken dem Kellner zu.
Das Gespräch läuft gut. Zu gut.
In meinem Kopf rattern parallel andere Gedanken.
Was will sie mit jemandem, der behindert ist?
Hat sie sich jemand ganz anderen vorgestellt?
Hätte ich es sagen müssen?
Ich kenne jede Absage bereits, noch bevor sie ausgesprochen wird. Die sportliche. Die freiheitsliebende. Die „Ich-bin-einfach-noch-nicht-wieder-bereit“-Variante.
Beim Abschied wünscht uns der Kellner noch einen schönen Abend.
Sie zieht den Mantel an. Draußen schieben sich doppelstöckige Busse durchs Bild wie in einem Film, der absichtlich banal sein will. Sie greift nach ihrer Tasche, schaut noch einmal prüfend auf den Tisch, ob sie auch nichts vergessen hat.
Jetzt.
„Sehen wir uns wieder?“, frage ich.
Ein kurzes Zögern. Wirklich nur ein kurzes. Aber lang genug, um alles zu aktivieren, worauf innerlich schon vorbereitet bin. Das ist der Moment, vor dem ich Angst hatte.
„Da gibt es ein kleines Problem“, sagt sie.
Ich nicke. Natürlich.
„Uns trennen mehr als 200 Kilometer.“
Ich sehe sie an.
200 Kilometer.
Berlin-Hamburg.
Gut zwei Stunden im ICE, wenn er fährt.
Ich lache. 200 Kilometer, die sich nach nichts anfühlen.
200 Kilometer.
Nicht zwischen uns.
Sondern zwischen heute
und dem zweiten Date.