01 Mein Leben danach

Wie das Leben spielt

Alternativbild Wie das Leben spielt

Wie das Leben spielt

Manchmal spielt das Leben keine zarte Melodie. Manchmal klingt es wie ein Orchester, das ohne Dirigenten loslegt – laut, chaotisch, schmerzhaft.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich so einer Truppe begegnet bin:

Als junger Mann landete ich plötzlich auf der Stroke Unit.
Das MRT spielte wie ein E-Piano: monotone, laute Töne, jeder Anschlag ein Fragezeichen.

Im Hintergrund schrien Verwandte am Telefon wie Klarinetten, schrill vor Sorge, ihre Stimmen überschlugen sich.

Der Monitor neben meinem Bett blinkte mit der Regelmäßigkeit eines Metronoms. Die Pflegekräfte schoben Betten durch die Gänge, die quietschten wie billige Geigenbögen. Die Infusionspumpe summte wie ein Cello, gleichmäßig und unendlich.

Und draußen, hinter den Scheiben, durchbrachen nächtliche Sirenen die Dunkelheit wie grelle Trompeten, bereit zum Einsatz in diesem unbarmherzigen Konzert.

Und ich mittendrin.

In der ersten Reihe vor einem Chaos-Orchester, das machte, was es wollte.

Doch dann kam ein anderer Klang. Ein Moment, an alles verstummte.
Ein Pfleger schob mich hinaus in den Park, in die Sonne. Nur Licht. Und Stille. Und ich.

Dann, nach wenigen Minuten, drangen wieder Stimmen herüber:

Die Rufe der eiligen Pflegekräfte, die sich darüber beschwerten,
dass mein Pfleger „Pause“ machte. Doch für mich war es kein Leerlauf.
Es war der erste Akkord meines neuen Lebens.

Ich war wieder dabei.

Inklusion passiert oft in den Pausen. Zwischen allem Geschrei, der Lautstärke, der Aufregung. Dort, wo wir uns nicht dem Rhythmus der anderen unterwerfen. Sondern unseren eigenen spüren. In kleinen Freiräumen, in denen wir wieder wir selbst werden.

Bevor der Wahnsinn weitergeht.

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