Vorsicht Blindgänger
Vorsicht Blindgänger
Man behandelt mich oft wie einen fehlgezündeten Silvesterböller. Ein falsches Wort – und ich könnte explodieren.
Also geht man lieber außen herum.
Der Grund ist meine sichtbare Gehbehinderung, gepaart mit dem nachvollziehbaren Wunsch vieler Mitmenschen, immer politisch korrekt zu bleiben.
Dabei mag ich sie eigentlich, diese kleinen Pyros des Alltags:
Den Knatterkegel, der übermotiviert faucht, mich kurz innerlich zusammenzucken lässt – und doch authentisch ist. Die Goldfontäne, die ohne Rücksicht auf Konventionen sprüht. Den Funkenblitz, der alles für ein paar Sekunden grell ausleuchtet, Klarheit verschafft und uns zwingt, Dinge zu sehen, die wir sonst übersehen hätten.
Ohne sie bliebe es still um uns herum.
Zusammenhalt leidet, wenn wir jede Begegnung vor allem politisch absichern wollen.
Echte Verbindung gelingt nur im offenen zwischenmenschlichen Austausch, in diesen kleinen Momenten des Risikos und der Ehrlichkeit.
Inklusion entsteht nicht mit Sicherheitsabstand.
Vielleicht dürfen wir uns im Alltag wieder ein paar Funken erlauben – nicht um zu verletzen, sondern um uns wirklich zu begegnen. Wenn wir uns gegenseitig wieder Raum für Fehler und Unsicherheiten zugestehen, würde vieles einfacher.
Wir brauchen lange Zündschnüre.
💥 Und Mut, die nächste Stufe des Miteinanders zu zünden.