New York, Rio, Rehaklinik
New York, Rio, Rehaklinik
Der beste Kaffee meines Lebens war der, den ich nicht getrunken, sondern gegessen habe.
In den Metropolen locken Coffeeshops mit dem Duft von hundert Sorten: Soja- oder Hafermilch, koffeinfreie Träume und fair gehandelte Versprechen, extra starke Röstungen oder cremige Milde, verfeinert mit Karamell, Vanille oder dem würzigen Aroma von Pumpkin Spice.
Und ich?
Ich sammelte auf meinen Reisen die Becher urbaner Genüsse:
Rom, New York, Rio…
Bis zu meinem Schlaganfall mit 29 Jahren.
Von einem Tag auf den anderen war mein Schluckreflex weg. Monatelang konnte ich nicht einmal Wasser trinken. Ich musste das Trinken neu lernen – mit therapeutischer Hilfe, in winzigen Schritten.
Und dann kam dieser Tag:
Mein erster Kaffee. Zum Löffeln.
Jemand in der Klinik hatte ihn mit Pulver angedickt, damit ich mich nicht verschlucke.
Dieser Kaffee war…anders.
Weil er möglich war.
Weil jemand mitgedacht – und ein Hindernis aus dem Weg geräumt hatte.
Plötzlich zählten nicht noch mehr Sorten und eine schwindelerregende Auswahl in einer ohnehin schon überfüllten Welt.
Sondern die eine Variante, die für mich zugänglich war.
Es war das reine, unverfälschte Glück, endlich wieder einen Kaffee schmecken zu können. Zwar ohne den schwungvollen Tanz eines Baristas und ohne Milchschaumherz. Aber dafür mit einer Melange von Dankbarkeit und Triumph, die ich niemals vergessen werde.