01 Mein Leben danach

Meine erste Million

Inklusion ist meine Geschichte: Meine erste Million

Meine erste Million

Am Morgen des 25. April 2003 war ich eigentlich auf dem Weg zur finanziellen Freiheit. Stattdessen fuhr man mich mit Blaulicht direkt in die Stroke Unit.

Ich wollte an diesem Tag zur Arbeit gehen und danach nach Hause fahren. Dort wollte ich endlich das Buch von Bodo Schäfer lesen, das schon länger bei mir im Regal stand:

„In sieben Jahren die erste Million.“

Ich war 29 und hielt das für einen vernünftigen Plan. Ein paar Stunden später hatte ich den Schlaganfall. Danach wurde es schwierig mit der Arbeit. Und mit dem Buchlesen. Und natürlich mit der Million.

Ich lag im künstlichen Koma und wachte schwerbehindert wieder auf.

Irgendwann dachte ich wieder an das Buch „In sieben Jahren die erste Million“, das noch immer ungelesen in meinem Regal stand. Eine absurde Lektüre für jemanden, der anfangs nicht wusste, ob er überhaupt den nächsten Tag erleben würde.

Das Buch gehörte zu meinem alten Leben. Zu dem Leben, in dem alles einen Plan hatte: Arbeit am Vormittag. Nach Hause fahren am Nachmittag. Ein Buch am Abend. Und irgendwann, wenn alles gut lief, die erste Million.

Dann kam dieser eine Morgen.

Plötzlich musste ich lernen, in einem Körper zu stecken, der nicht mehr das machte, was ich wollte und mit einem Leben zurechtzukommen, dessen Regeln sich nahezu jeden Tag änderten.

Die Deckenplatten in der Klinik hatten kleine, graue Punkte. Ich habe sie gezählt, wochenlang. Es waren bestimmt eine Million. Nicht die Million, die Bodo Schäfer gemeint hatte. Aber immerhin meine erste.

Die Million ist heute futsch.

Die Deckenplatten sind wahrscheinlich längst ausgetauscht worden.

Das Buch von Bodo Schäfer steht immer noch ungelesen in meinem Regal.

Die sieben Jahre sind längst um.

Wenn ich heute Pläne mache, dann nicht mehr für die nächsten Jahre.

Sondern am liebsten für das nächste Wochenende.

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