01 Mein Leben danach

Mein Mount Everest

Alternativbild Inklusion ist meine Geschichte: Mein Mount Everest

Mein Mount Everest

In der Klinik gab es nur ein Ziel. Egal ob Banker, Busfahrerin, Bergarbeiter oder Beraterin. Egal wie schwer betroffen, wie jung, wie alt.

Alle wollten dorthin:

Nach Hause.

Man sprach nicht von der Besteigung des Mount Everest, nicht vom Malediven-Strand. Nicht von einer Antarktis-Expedition oder anderen Punkten von der Bucket List.

„Zuhause“ war kein Ort der großen Träume – sondern der kleinen, alltäglichen Dinge:

Der Geruch des eigenen Kissens. Die vertrauten Geräusche im Treppenhaus. Das eigene Badezimmer, ohne fremde Hilfe.

Das selbstbestimmte Leben war unser Mount Everest.

Für viele: ein ferner Gipfel.
Für manche: unerreichbar.
Für mich: ein Ziel, das ich erreichen durfte – dank meines Pflegers.

Er hat mich aufgerichtet, im wahrsten Sinne. Mich trainiert, motiviert, gehalten – körperlich und seelisch. Für ihn war ich kein junger „Schlaganfallpatient“, kein „Fall“. Für ihn war ich ein Mensch auf dem Weg nach Hause. Und er war mein Sherpa.

Wir haben keine Schneestürme durchquert, aber Stürme aus Angst, Scham und Schwäche. Keine Gletscherspalten umgangen, aber Lücken im Kopf und im Körper überwunden.

Die Ärzte retteten mir das Leben. Aber der Pfleger half mir, mich selbst nicht aufzugeben. Er tauschte seine Schichten, damit er bei mir sein konnte. Begleitete mich Schritt für Schritt. Immer wieder, immer weiter.

„Der schafft dit“, rief er durch die Gänge.

Als ich nach vielen Wochen durch den Ausgang der Klinik humpelte und ihm zum Abschied die Hand drückte, hatte er glasige Augen. Ab hier musste ich allein weiter.

Meine Haustür war mein Berggipfel.

Oben.

Im 4. Stock.

Ich erreichte ihn am 25. August 2003.

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