Es geht kein Weg zurück
Es geht kein Weg zurück
Die meisten Menschen bereuen, dass sie die Zeiger der Uhr nicht zurückdrehen können.
Ich kenne das: Denn von einem Tag auf den anderen bin ich vollständig gelähmt.
Es ist das Jahr 2003.
Die Band „Wolfsheim“ landet gerade einen Hit mit ihrem Song „Kein zurück“. In jenen Wochen brennt sich der Text förmlich in mein Bewusstsein ein:
„Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es geht kein Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh′n.“
Die Ärzte und Pfleger um mich herum summen unerträglich gut gelaunt die Zeilen mit. Und ich?
Ich schreie vor Wut.
Vor Verzweiflung.
Aber niemand hört es. Weil eine geblockte Trachealkanüle in meinem Hals jeden Laut unmöglich macht.
Mein Schlaganfall ist passiert.
Ich werde für immer das Stigma „schwerbehindert“ tragen.
Ich liege da, gefangen im eigenen Körper.
Die Zeit zerfließt wie in einem Bild von Salvador Dalí.
Stunden werden zu Tagen. Tage werden zu Wochen.
Und irgendwo im Hintergrund läuft immer wieder derselbe Song. Damals wird der Wolfsheim-Sänger Peter Heppner zu meinem Therapeuten:
Er sagt nicht: „Alles wird gut.“
Er sagt aber auch nicht: „Alles ist verloren.“
Er sagt: „Es ist, wie es ist. Und du musst damit leben.“
Sein Song wurde meine Überlebenshymne. Meine Motivation, trotz allem nach vorne zu gehen.
23 Wochen lang lief „Kein zurück“ in Dauerschleife im Radio.
23 Wochen, in denen ich lernte, mein neues Leben anzunehmen.
Dann flog der der Song aus den Charts.
Und ich stieg aus dem Klinikbett.
Bereit für alles, was kommen würde.