01 Mein Leben danach

Es geht kein Weg zurück

Alternativbild Inklusion ist meine Geschichte: Es geht kein Weg zurück

Es geht kein Weg zurück

Die meisten Menschen bereuen, dass sie die Zeiger der Uhr nicht zurückdrehen können.

Ich kenne das: Denn von einem Tag auf den anderen bin ich vollständig gelähmt.

Es ist das Jahr 2003.

Die Band „Wolfsheim“ landet gerade einen Hit mit ihrem Song „Kein zurück“. In jenen Wochen brennt sich der Text förmlich in mein Bewusstsein ein:

„Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es geht kein Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh′n.“

Die Ärzte und Pfleger um mich herum summen unerträglich gut gelaunt die Zeilen mit. Und ich?

Ich schreie vor Wut.
Vor Verzweiflung.

Aber niemand hört es. Weil eine geblockte Trachealkanüle in meinem Hals jeden Laut unmöglich macht.

Mein Schlaganfall ist passiert.
Ich werde für immer das Stigma „schwerbehindert“ tragen.
Ich liege da, gefangen im eigenen Körper.

Die Zeit zerfließt wie in einem Bild von Salvador Dalí.
Stunden werden zu Tagen. Tage werden zu Wochen.

Und irgendwo im Hintergrund läuft immer wieder derselbe Song. Damals wird der Wolfsheim-Sänger Peter Heppner zu meinem Therapeuten:

Er sagt nicht: „Alles wird gut.“
Er sagt aber auch nicht: „Alles ist verloren.“
Er sagt: „Es ist, wie es ist. Und du musst damit leben.“

Sein Song wurde meine Überlebenshymne. Meine Motivation, trotz allem nach vorne zu gehen.

23 Wochen lang lief „Kein zurück“ in Dauerschleife im Radio.
23 Wochen, in denen ich lernte, mein neues Leben anzunehmen.

Dann flog der der Song aus den Charts.
Und ich stieg aus dem Klinikbett.

Bereit für alles, was kommen würde.

Das könnte dir auch gefallen

Alternativbild Inklusion ist meine Geschichte: Der kann nicht mehr
„Mikki, wir tragen ihn runter, der kann nicht mehr!“ Dieser Satz hallt früh morgens durch das Treppenhaus des Berliner Altbaus. Ich höre, wie der Sanitäter seinen Kollegen ruft, während schwere Schuhe sich Stufe um Stufe nach oben arbeiten, bis in den vierten Stock. Ein Haus, das...
Hier weiterlesen
Inklusion ist meine Geschichte: Wie ich über Nacht reich wurde
Ich habe es zu Reichtum gebracht. Nicht mit Aktien oder einem großen Erbe – ich habe auch nicht im Lotto gewonnen. Morgens stehe ich vor dem Bundespresseamt und schaue über das graue Wasser der Spree. Auf der anderen Seite steht die Charité. Dort bin ich nach einem Schla...
Hier weiterlesen