01 Mein Leben danach

Die Tür zur Stroke-Unit

Artikelbild Die Tür zur Stroke-Unit

Die Tür zur Stroke-Unit

Ich liebe Adventskalender – selbst als Erwachsener. Jeden Morgen öffne ich ein Türchen voller Vorfreude, gespannt darauf, was dahinter ist.

Manchmal ist es Schokolade, ein winziges Spielzeug, ein Mini-Rätsel oder ein Zettel mit einem Spruch.

Im Leben verbirgt sich nicht hinter jeder Tür eine schöne Überraschung.

Diese Erfahrung habe ich 2003 gemacht.

Eines Tages werde ich durch eine Tür der Charité Berlin geschoben, auf der „Stroke Unit“ steht. Ich bin 29 Jahre alt. Jemand, den ich noch nie zuvor gesehen habe, beugt sich über mich: „Sie sind hier, weil wir vermuten, dass Sie einen Schlaganfall hatten“.

Nicht nur ein Krankenhaus, sondern auch das Leben ist wie ein riesiges Labyrinth aus unzähligen Wegen und Türen. Manche stehen weit offen und manche schlagen sich plötzlich direkt vor unserer Nase zu. Rumms!

„Bssst“: Unzählige Tage später drückte jemand auf den automatischen Summer und die Charité-Türe öffnete sich wieder für mich. Ich werde zurück nach draußen katapultiert: Licht, Himmel, Stadtlärm! Aber: Mein altes Leben ist weg. In diesen Wochen und Monaten ist mein tiefster Wunsch, alles möge wieder so werden wie früher. Daraus wurde nichts.

Dann aber, irgendwann, sollten sich neue Türen öffnen: Eine davon führte mich in meine Hochzeitskirche, eine andere zu meinem Arbeitgeber, eine weitere in mein Amt als Vertrauensperson der Schwerbehinderten.

Wichtig in schweren Zeiten ist das Vertrauen, dass hinter jeder Herausforderung die Chance liegt, etwas zu bewegen. Lass dich nicht entmutigen. Bleib dran.

Es gibt immer eine Tür, die sich für Dich öffnet.

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