Die Hälfte von mir
Die Hälfte von mir
Nach meinem Schlaganfall fühlte ich mich wie ein halber Mensch.
Nicht metaphorisch, sondern real:
Meine linke Körperhälfte war plötzlich weg.
Taub.
Still.
Ich lag im Klinikbett. Ich konnte sehen, denken und hören. Und doch fehlte etwas Entscheidendes:
Der alte Olaf.
Ich konnte meinen linken Arm nicht heben, nicht aufstehen, nicht gehen.
Die Menschen sagten mir: „Hauptsache, du bist doch noch da.“
Aber ich fühlte mich nur halb da.
Halb anwesend.
Halb wertvoll.
Halb ich.
Mit gerade mal 29 Jahren bekam ich die volle Breitseite des Lebens zu spüren und erlebte, wie sehr unser Selbstbild an Banalitäten hängt.
Was früher automatisch ging – zum Waschbecken gehen und Zähneputzen, eine Kaffeetasse greifen, ein Hemd zuknöpfen, Schuhe zubinden, ein paar Schritte laufen – schien unendlich schwierig. Ich schämte mich, wenn ich alles fallen ließ oder mich ständig verschluckte.
Ich hasste es, Hilfe zu brauchen.
Meine linke Seite war nicht nur gelähmt.
Sie wurde zum Symbol für alles, was ich nicht mehr war.
Ich war überzeugt: Diese Geschichte endet nicht gut für mich.
Aber mit der Zeit lernte ich:
Auch eine gesundheitliche Einschränkung kann ein neues, ganzes Kapitel im Leben bedeuten.
Eines Tages wurde ich neugierig:
Auf die Fortsetzung.
Vielleicht war ich nicht weniger geworden. Vielleicht war einfach etwas hinzugekommen:
Ein anderer, neuer Blick auf das Leben.
Sowie die Erkenntnisse, dass ein einziger Hemdknopf einen ganzen Morgen sprengen kann, eine Schnürsenkel-Schleife einer motorischen Meisterleistung gleicht und das Binden einer Krawatte plötzlich mehr über Geduld lehrt, als ein Stau auf der A7 zu Ferienbeginn.