Die Essenz aus dem Infusionsbeutel
Die Essenz aus dem Infusionsbeutel
Erst Pumpernickel mit Frischkäse und ein Lachsbrötchen mit einem Klecks Meerrettich. Dann nur noch Infusionsbeutel:
Der Hirnstamminfarkt kommt plötzlich nach einem politischen Empfang.
Als junger Mann, noch keine dreißig Jahre alt, liege ich auf der Intensivstation inmitten einer technologischen Festung von unzähligen Schläuchen, Kabeln und blinkenden Apparaten.
Ich kann mich nicht bewegen. Nicht sprechen. Nur zuhören.
Eine Angehörige hat sich auf den Weg nach Berlin gemacht und läuft um mein Bett herum.
Aufgeregt und voller Sorge zeigt sie auf einen Infusionsbeutel und fragt:
„Und was ist das?“
Der Arzt antwortet ruhig:
„Das ist Wasser.“
Ich höre alles mit – aber immer doppelt. Wenn ich könnte, würde ich herausschreien, dass mich das Schicksal nicht nur um meine körperliche Unversehrtheit, sondern auch um meinen Verstand gebracht hat. Gleich will sie wieder wissen…
Ein paar Minuten vergehen.
Sie fragt:
„Und was ist das?“
„Das ist Wasser.“
Der Arzt bleibt geduldig. Er versteht: In solchen Momenten ist Wissen nicht nur Information. Es ist Beruhigung. Sicherheit. Halt. Er erklärt – nicht einmal, sondern zweimal.
Freundlich und ruhig.
Was in den Infusionsbeuteln ist?
Wasser, Elektrolyte, Medikamente.
Er nimmt sich die Zeit.
Für ihn ist es nur ein Moment an einem langen Arbeitstag. Mit seiner Ruhe und einfühlsamen Kommunikation leistet er einen unschätzbaren Dienst.
Denn er weiß:
In diesen Stunden zwischen Leben und Ungewissheit ist es nicht das Wichtigste, was aus welchem Infusionsbeutel tropft – sondern wer mit welcher Haltung an unserer Seite ist.
Danke an alle, die nicht nur behandeln, sondern auch begleiten. 🙏