01 Mein Leben danach

Der Aufzug nach oben und der tiefe Fall

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Der Aufzug nach oben und der tiefe Fall

Ich drückte verzweifelt den blinkenden Knopf nach oben – aber es war der Schwesternruf.

„Willkommen ganz unten“ las ich in den stillen Blicken der anderen: Ärzte, Pflegekräfte, Verwandte.

Das Leben ist wie ein Aufzug. In den oberen Etagen ist die Aussicht gut. Man sieht die Welt aus einer privilegierten Perspektive. Unten wird die Luft schwer und der Blick ist von Hindernissen verstellt. Als junger Mann bin ich auf dem Weg nach oben steckengeblieben:

1999: Erstes juristisches Staatsexamen

2001: Zweites juristisches Staatsexamen

2002: Erster Job bei einer Bundestagsabgeordneten

2003: Hirnstamminfarkt

2003: Kündigung – per Einschreiben noch in die Klinik geschickt

Über den letzten Punkt berichtete die ARD damals in ihrem Magazin „Brisant“. Eine Kündigung noch am Krankenbett…diese Ungerechtigkeit schrie zum Himmel. Sie brachte mediale Empörung, mir aber meine Gesundheit nicht zurück.

Meinem gesundheitlichen Absturz folgte der berufliche.

Ich war ganz unten.

Was ich gemacht habe, nach den ersten Wellen des Schocks, der Verzweiflung und der Resignation?

Ich habe gefeiert.

Jeden noch so kleinen Fortschritt: Den ersten Kaffee, nachdem meine Schluckstörung überwunden war. Das erste Mal wieder auf einem Fahrrad sitzen. Das erste Mal wieder vom 1-Meter-Brett im öffentlichen Schwimmbad springen. Zusammen mit der nettesten Physiotherapeutin der Welt. Sie versprach mich zu retten, sollte ich nicht mehr auftauchen.

Aber ich tauchte wieder auf.

Nach jedem Sprung.

Von ganz unten habe ich diese Gewissheit mitgenommen:

Wir bleiben immer für uns selbst verantwortlich. Andererseits brauchen wir Menschen, die uns begleiten, damit es wieder aufwärts geht.

Ich mag Aufzüge und schaue immer, wo der nächste ist. Nicht nur auf Grund meiner Gehbehinderung. Sie erinnern daran, dass das Leben seine Höhen und Tiefen hat. Weder ein Aufstieg noch ein tiefer Fall können unseren Wert als Mensch definieren. Wer mit dieser Einsicht lebt, wird den Aufzug mit mehr Gelassenheit nutzen können.

In beide Richtungen.

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