Ausbruch auf dem Vesuv
Ausbruch auf dem Vesuv
Ich stehe am Kraterrand vom Vesuv. Die Erde hier oben ist kein fester Boden. Sie ist ein Prozess – unberechenbar, dampfend, lebendig.
Mit meiner Gehbehinderung bin ich der Letzte aus der Reisegruppe. Der Weg zieht sich in breiten Serpentinen hinauf. Von unten sah er viel kürzer aus.
Jetzt noch der Abstieg.
Ein schwer atmender Deutscher überholt mich. „Respekt, wie Sie das machen.“ Ich hebe die Hand und antworte „Danke gleichfalls“.
Der Bus wartet bereits, 30 Meter noch.
Eine Touristin in bunten Flip-Flops zieht verschwitzt an mir vorbei.
Im Vorbeigehen drückt sie mir ihren Stock in die Hand. Ich nehme ihn dankbar an.
Wenige Momente später verstellen mir die Stockverleiher den Weg: „One Euro“, sagen sie, als ich ihnen das Holz reiche.
Ich sehe der Frau nach. Wollte sie helfen? Oder nur das Pfand-Problem elegant delegieren, um schneller im klimatisierten Bus zu sitzen?
In diesem Moment bricht er aus, mein privater, kleiner Vesuv. Nicht wegen des Euros. Sondern wegen der Flip-Flop-Frau. Sie erinnert mich an die Frage, die mich auch in Deutschland oft wütend macht: Wer verdient eigentlich an der Unterstützung für vermeintlich Schwächere? Wem nützt die Hilfe wirklich – dem Empfänger oder den Personen dahinter? Welche Strukturen finanzieren am Ende nur sich selbst?
Ich drehe um. Humpele den Hang wieder ein paar Meter hinauf, gegen die Masse der Absteigenden, und drücke den Stock jemand anderem in die Hand. „Gracias!“ ruft man mir hinterher.
Kurz vor dem Ziel stürze ich, meine Beine zittern. Staub überall. Ich stehe wieder auf. Der Busmotor läuft bereits, vibriert ungeduldig auf dem glühend heißen Asphalt.
Für den Euro kaufe ich mir beim Fahrer eine kalte Flasche Wasser.
Der Vesuv hat einst Pompeji vernichtet.
Meinen letzten Rest Würde nicht.